Frauenfußball Roman
Frauenfreundschaften im Roman,  Lesbische Romane

Hippiezeit auf dem Dorf

Frauenfußball und Hippiezeit

Elke Weigel Fußballtöchter

Fußballtöchter– Susi will nur eins im Leben: Fußball spielen. Doch 1970 herrscht ein offizielles Verbot für „Damenfußball“ auf Vereinsplätzen. Auch im privaten Umfeld bekommt sie Steine in den Weg gelegt. Frauen und Fußball – das ist in den Augen ihres Vaters ein Unding. Zum Glück hat sie fußballbegeisterte Freundinnen, die bereit sind, zusammenzuhalten und alles zu tun, um kicken zu können. Doch in dem schwäbischen Dorf ist die aufkeimende Frauenbewegung noch lange nicht angekommen, und zusammen mit Gerda, Hannelore und den anderen Mitspielerinnen muss Susi lernen, sich auch außerhalb des Fußballplatzes durchzusetzen. Und sie verliert ihr Herz nicht nur an Fußball … Fußballtöchter ist ein bewegender Roman über die Stärke von Frauen, die selbstbewusst und mutig ihr Recht erstreiten: auf dem Spielfeld wie im Leben.

Meine Verlegerin Ilona Bubeck vom Quer-Verlag schreibt: „Es war noch ein langer Weg, bis Mädchen und Frauen im Fußball und in vielen anderen Sportarten an Wettkämpfen teilnehmen durften. Deshalb war ich sehr erfreut, als wir von Elke Weigel den Roman Fußballtöchter über die Anfänge des Frauenfußballs in den siebziger Jahren verlegten, der zu dem sogar in einer süddeutschen Kleinstadt spielt. – 

Vor  40 Jahren war eine Frauenfußball-WM so unvorstellbar wie die Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule. 

Noch bevor ich laufen konnte, verbrachte ich mit meinem Vater und Bruder die Sonntagnachmittage auf dem Fußballplatz des FVL Heidenheim, der jetzt immerhin in der 2. Bundesliga spielt. Selbst gekickt habe ich auf der Straße, im Hof und Garten; im Verein wäre das als Mädchen in den fünfziger und sechziger Jahren auch nicht möglich gewesen. Dafür war ich Leistungssportlerin in der Leichtathletik, trainierte mit den Jungs und trug nur Jungssporthosen, da ich die Gymnastikanzüge für Mädchen hasste. Meine erste große heimliche Liebe war dann natürlich meine Sportlehrerin!“

Frauengeschichte, die berührt

Zu keinem meiner Bücher habe ich so viele Zuschriften erhalten, wie für Fußballtöchter. 

Begeistert haben mir junge wie ältere Frauen erzählt, dass sie wie meine Heldin Susi auf der Straße kickten. Wie sie darum kämpfen anerkannt zu sein und wie unschätzbar wertvoll Freundinnen sind!

„Deutschland 1970 – aus heutiger Sicht tiefes feministisches Mittelalter und doch eigentlich noch gar nicht so lange her. Die frühen Nachkriegsjahre haben die Frauen zurück in Küche und Kinderzimmer gezwängt, Arbeiten ohne Genehmigung des Gatten ist untersagt, die Versorgung von Vätern, Brüdern, Ehemännern bildet Sinn und Zweck weiblichen Lebens. Da ist es natürlich undenkbar, dass Frauen eigene Interessen entwickeln oder sich gar in Männerdomänen wie Fußball vorwagen. Denn auch der sogenannte Damenfußball ist verboten.

Trotzdem gibt es für Susi nicht Schöneres, als mit ihren Freundinnen zu kicken und ganz allmählich entwickelt sich nicht nur eine erfolgreiche Frauen“mann“schaft in der Enge des schwäbischen Dorfes, sondern die Frauen merken, dass sie ihre Interessen nicht nur auf dem Fußballplatz durchsetzen können und müssen.

Susi fühlt sich von Gerda, Tochter des Bürgermeisters und umtriebige „Emanze“, sehr angezogen, doch immer scheint in der heimlichen Beziehung der beiden etwas zu fehlen.

Es geht in dieser mitreißenden Geschichte um weitaus mehr als nur um Fußball, es ist ein Stück unserer ureigenen Geschichte, einer Geschichte, die den jüngeren Leserinnen unfassbar, absurd und kaum zu glauben vorkommen mag, an die sich die älteren aber sehr wohl noch erinnern können.

Sie möge Pflichtlektüre in den Schulen werden und sei allen wärmstens ans Herz gelegt, auch jenen, die nicht wissen, wie Abseits funktioniert oder welchen Abstand die Mauer beim Freistoß einhalten muss.“ gelesen von Jule Blum Lesbenring.E.V

Mein Roman Fußballtöchter ist sicher der, der am meisten von meinen Romanen verkannt wird. Ja, es geht um Frauenfußball, aber es ist keine Geschichte, in der sich alles um Fußball dreht, wie bei einer Weltmeisterschaft.

Es ist ein Roman für Frauen, die an Frauenfreundschaft glauben.

Mit der Hauptfigur, Susi, bewegte ich mich ein Stück in die Vergangenheit. Die Geschichte spielt 1970. Susi ist verstrickt in Schuldgefühlen und wie gefangen in ihrem Elternhaus mit ihrem Vater. Ihre „Lösung“ für dieses Dilemma ist Lügen und Heimlichtuerei. Offen wagt sie nicht zu tun, was sie liebt: Fußballspielen. Aber es könnte auch etwas ganz anderes sein.

Es ist ein Buch über die Kraft der Freundschaft unter Frauen. Eine Clique, wie wir sie uns sicher alle wünschen, hält zusammen und kämpft gegen althergebrachte Strukturen in einem Dorf.

Nach der Veröffentlichung erhielt ich viele wundervolle Mails von Frauen, die mir schilderten, wie sie diese Zeit damals erlebt hatten. Darüber freue ich mich heute noch!

Und hier taucht auch ein Thema auf, das mich in weiteren historischen Romanen beschäftigt hat: Wie können Frauen ihr Leben eigenmächtig gestalten?

Wie können sie ihren Begabungen uns Sehnsüchten folgen, wenn um sie herum Anforderungen gestellt werden, die dem widersprechen?

Emanzipation ist immer noch aktuell, wenn vielleicht auch subtiler als früher.

Frauen in der Geschichte

Elke Weigel Lesung Robin und Jennifer

Das bringt mich zu einem Lieblingsthema: Frauen in der Geschichte. 

Wir sind nicht nur eingewoben in unsere Familiengeschichte und in die Geschichte unserer Zeit und des Ortes, an dem wir leben, wir tragen das Erbe aller Frauen in uns: das unserer Großmütter und das aller Frauen, die vor uns lebten.

Hört sich das pathetisch an?

Es ist ein Fakt!

 

Welche Bedeutung eine Frau in der Gesellschaft hatte, welche Rollenbilder und welche Schönheitsideale zu ihrer Zeit herrschten, prägten ihr Selbstverständnis, ihr Gefühl zu sich selbst. So ist das bis heute.

Frauen, die keine Rechte haben, wenig gelten, reduziert werden auf Haushaltsführung und Kinderkriegen, geben ihr Selbstgefühl weiter, in ihrem Gefühlsausdruck und in ihrem Verhalten. Das prägt die Töchter und Söhne.

Keine Frau ist frei von dieser langen Geschichte der Unfreiheit der Frauen. Wir möchten es heute gerne glauben, aber Vieles, was Frauen heute beschäftigt, hat den Ursprung in dieser Geschichte.

Die Unsicherheit dem eigenen Körper gegenüber und die ewige Frage:

  • „Bin ich schön?“
  • „Bin ich begehrenswert?“
  • „Bin ich so, dass man mich lieben kann?“

Was verlangt man von uns?

Frauen sollen:

  • Helfen, liebenswürdig sein, fürsorglich?
  • Oder sexy, leidenschaftlich?
  • Schwach und anlehnungsbedürftig?
  • Erfolgreich, unabhängig, intelligent?
  • Alles zusammen?

Was ist mit Frauen, die dieses gesellschaftliche „Spiel“ nicht mitspielen wollen?

Was ist mit Frauen, die lesbisch sind?

Das beschäftigt mich in meinen psychologischen Sachbüchern, dem begegne ich in meinen Psychotherapien, aber auch in meinen Romanen und Kurzgeschichten greife ich diese Fragen auf und erkunde sie spielerisch, fantasiereich, provokant … aber vor allem, weil ich so empört bin über die unterdrückte Geschichte der Frauen.

Lies weiter über einen Roman, in den ich mein Wissen über den Tanz gepackt habe.

„Einst warst du wild! Lass nicht zu, dass sie dich zähmen!“ Isadora Duncan, Ausdruckstänzerin, 1877-1927

Elke Weigel, Schriftstellerin, Diplom-Psychologin und Tanztherapeutin

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