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Briefe an Dr. Sigmund Freud – Psychoanalyse im Krimi

Psychoanalyse im Krimi

Der Roman „Tod und Irrtum“ spielt 1910 in Stuttgart.

Als Henriette Haag nach einer längeren Reise wieder zu Hause ankommt, wird gerade ihre junge Haushälterin Magdale blutüberströmt in die Klinik abtransportiert. Der Arzt spricht von einem Suizidversuch, doch die Blutspuren, die Henriette in Magdales Bett findet, deuten auf eine Abtreibung oder Fehlgeburt hin. Als ein Toter entdeckt wird und Magdale unter Mordverdacht gerät, glaubt Henriette an die Unschuld ihrer Haushälterin und sucht die Unterstützung ihrer Freundinnen, die wissen müssten, was während ihrer Abwesenheit vorgefallen ist.

Doch die schöne Felise ist damit beschäftigt sich vom berühmtesten Maler in Stuttgart portraitieren zu lassen, und Josefine, die Frau des Arztes, plagt sich mit Eifersuchtsgefühlen.

 

Seit dem Tod ihres Mannes hat sich Henriette mit Psychoanalyse beschäftigt und mit ihrem neu erworbenen Wissen um die Macht des Unbewussten, Versprechern und anderen Irrtümern, will sie den Mörder finden und ihr Leben wieder in ruhige Bahnen lenken.

Aber das Unbewusste ist eine unberechenbare Größe, auch in ihr.

Frauen auf der Couch

In der gehobenen bürgerlichen Schicht wurde von Frauen erwartet, dass sie sich um Haushalt, Kinder und Ehemann kümmerten. Nur sehr wenige Frauen erlernen einen Beruf. Dass meine Protagonistin Henriette Haag als Witte nach Wien reist,, um eine Psychoanalyse zu machen, war ein ungewöhnlicher Schritt.

Sigmund Freud war zu dieser Zeit (1910) in Wien ein bekannter Arzt, doch seine Methode, die er „Redekur“ nannte, wurde in Deutschland nur von wenigen seiner Schüler praktiziert.

Er behandelte vorwiegend Frauen, die „hysterische“ Symptome zeigten. Heute würde man diese Symptome wahrscheinlich psychosomatische Beschwerden ansehen.

Mädchen gingen zwar in Schulen, eigene Mädchenschulen, wo sie Handarbeiten und gutes Benehmen erlernten. Die Möglichkeit ein Gymnasium zu besuchen, gab es in Henriette Haags Jugend noch nicht.

Eingezwängt in ein Korsett, bekamen Frauen kaum Bildung, wurden eingeschränkt auf ein Leben, dem Mann zu dienen und Kinder zu bekommen. Wenn sie etwas anderes wollten, hielt man sie für unweiblich, unnatürlich oder sogar für verrückt. Eine eigene Sexualität wurde ihnen abgesprochen.

Freud erkannte, wie wichtig es ist, den Frauen zuzuhören und es stellte sich heraus, das viele der gutsituierten Frauen, die ihn aufsuchten, unter den Tabus der Gesellschaft litten. 

Warum schreibe ich über Frauen?

Wie ging es den Frauen und wie lebten sie in früheren Zeiten?, das ist ein Thema, das mich schon seit meiner Jugend interessiert. 

In Geschichtsbüchern wird vor allem von Männern berichtet, bevorzugt von mächtigen Männern, Königen, Päpsten und Politikern, das bildet aber nicht ab, wie sich das Leben der Frauen gestaltete.  Welche Rollenerwartungen wurden an sie gestellt? Welche Rechte hatten Sie, welche nicht? Wie sah ihr Alltag aus? 

Dabei betrachte ich in meinen Romanen nicht nur die einzelne Frau, sondern auch ihre Beziehungen untereinander. So wie Männer schon immer Seilschaften untereinander gebildet haben, setzten Frauen auf weibliche Verwandte und Freundinnen. Das ist ein Thema, das ich in meinen Romanen gerne aufgreife. Wie unterstützten sich Frauen gegenseitig und nahmen dadurch Einfluss auf die Gesellschaft?

Ein Thema, das heute immer noch wichtig ist.

Das Unbewusste im Roman?

Freuds Theorien waren in der Wende zum 20. Jahrhundert einzigartig und neu.

Als erster hatte er versucht, zu beschreiben, wie die Psyche funktioniert. Heute ist die Vorstellung eines Unbewussten Allgemeinwissen geworden.

Vor Sigmund Freud dachte man, der Mensch sei absolut Herr über sich selbst. Man könne immer vernünftig handeln, wenn man das wolle.

Da beschreibt Freud das Unbewusste, als einen unberechenbaren Teil in uns, der uns zu Gefühlen und Handlungen veranlasst, die sich unserem rationalen Verständnis und unserer bewussten Wahrnehmung entziehen.

Er erklärte, dass wir vom Unbewussten gesteuert fühlen und handeln. Oftmals wissen wir gar nicht warum. 

Man kann sich heute gar nicht mehr vorstellen, wie das die Menschen erschüttert hat. Für Schriftsteller wie Thomas Mann, Hermann Hesse und andere bot dieses Wissen eine Fülle an neuen Themen für ihre Literatur. 

Alles, was unter der Oberfläche schlummert und unerwartet hervorbrechen kann, die Libido zum Beispiel.

Unter Libido verstand Freud nicht nur eine sexuelle Energie im Menschen, sondern eine Lebensenergie, die sich auf alles Mögliche richten kann.

Was ich auch Henriette erleben lasse. Sie setzt sich mit ihrer Sexualität auseinander, ihren Wünschen und Trieben, wie das bei Freud heißt. 1910 sollte eine Frau keine sexuellen Wünsche haben, keine Leidenschaften empfinden, auch nicht für Bildung oder eine Berufstätigkeit außerhalb des Hauses. Eine Wittwe von 45 Jahren schon gar nicht.

Henriette entdeckt sich selbst, während der Ermittlungen um ihre junge Haushälterin, neu. Teilweise stürzt es sie in große Verwirrung; das sind die humorvollen oder dramatischen Szenen in meinem Buch. 

Henriette Haag schreibt an Dr. Freud

Meine Protagonistin hat einige innere und äußere Kämpfe auszufechten. 

Jedes Mal, wenn sie verwirrt ist, schreibt sie Dr. Freud einen Brief.

Hier kannst du eine Leseprobe anhören.

Taschenbuch: 246 Seiten

Verlag: Gmeiner-Verlag; Auflage: 2016 

ISBN-10: 9783839219058

ISBN-13: 978-3839219058

Taschenbuch: 9,99 €

E-Book: 8,99 €

Elke Weigel, Schriftstellerin, Diplom-Psychologin und Tanztherapeutin

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